Sehn: „Unsere Polizei kann nicht dauerhaft die Rechnung für außergewöhnliche Fußballlagen allein tragen“
Wenn der 1. FC Saarbrücken am heutigen Sonntag im Ludwigsparkstadion auf Rot-Weiss Essen trifft, steht die saarländische Polizei erneut vor einem personell und organisatorisch besonders aufwendigen Einsatz. Für die Bewältigung der Einsatzlage müssen neben zahlreichen saarländischen Polizeikräften erneut Unterstützungskräfte aus anderen Bundesländern hinzugezogen werden.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) Saarland nimmt den heutigen Einsatz zum Anlass, erneut auf die enorme Belastung der saarländischen Polizei durch Hochrisikospiele hinzuweisen. Gleichzeitig appelliert die Gewerkschaft an alle Besucherinnen und Besucher, für einen friedlichen und störungsfreien Spieltag zu sorgen.
„Unsere Kolleginnen und Kollegen leisten heute wieder einen enormen Kraftakt. Sie sorgen dafür, dass tausende Menschen ein Fußballspiel besuchen können, während gleichzeitig der normale Polizeialltag weiterlaufen muss. Das verdient Respekt und Anerkennung“, erklärt Markus Sehn, Landesvorsitzender der DPolG Saarland.
Gerade für das Saarland sei die Situation besonders problematisch. Die vorhandenen Personalressourcen seien begrenzt. Wenn für ein einzelnes Fußballspiel große Teile der verfügbaren Einsatzkräfte gebunden und zusätzlich Kräfte aus anderen Bundesländern angefordert werden müssten, habe dies zwangsläufig Auswirkungen auf den gesamten Polizeialltag.
Auch finanziell sind die regelmäßigen Unterstützungsleistungen anderer Länder und der Bundespolizei für das Saarland erheblich. Nach Angaben des Innenministeriums musste das Saarland seit März 2023 rund 1,32 Millionen Euro für Unterstützungskräfte anderer Bundesländer sowie der Bundespolizei aufbringen. Allein bei den sieben Hochrisikospielen des 1. FC Saarbrücken in der Saison 2025/2026 waren durchschnittlich 551 Polizeikräfte im Einsatz.
„Diese Summen zeigen deutlich, dass wir über mehr als nur einen einzelnen Einsatz sprechen. Das Saarland hat ohnehin nur begrenzte finanzielle Spielräume. Geld, das wir für externe Unterstützungskräfte ausgeben müssen, fehlt letztlich für dringend benötigte Investitionen in unsere eigene Polizei – sei es bei zusätzlichem Personal, moderner Ausstattung oder einer besseren technischen Infrastruktur“, macht Sehn deutlich.
Vor diesem Hintergrund begrüßt die DPolG Saarland ausdrücklich, dass die Landesregierung eine gesetzliche Grundlage für eine Beteiligung der Veranstalter an den Mehrkosten von Hochrisikospielen schaffen will. Die Gewerkschaft fordert jedoch, den aktuell vorliegenden Entwurf rechtlich und handwerklich nachzubessern.
Aus Sicht der DPolG ist insbesondere kritisch zu bewerten, dass die Gebührenerhebung derzeit als „Kann-Vorschrift“ ausgestaltet werden soll. Damit würde im Gegensatz zur Regelung des Landes Bremen ein Ermessensspielraum eröffnet.
„Wir brauchen hier eine klare und rechtssichere Regelung. Wenn die gesetzlichen Voraussetzungen für ein Hochrisikospiel erfüllt sind und dadurch ein außergewöhnlicher polizeilicher Mehraufwand entsteht, darf es nicht vom Ermessen einzelner Stellen abhängen, ob die Kosten tatsächlich erhoben werden“, erklärt Sehn.
Die DPolG befürchtet, dass eine solche Ermessensregelung neue rechtliche Angriffsflächen schaffen könnte. Aus Sicht der Gewerkschaft muss deshalb klar und transparent geregelt werden, unter welchen Voraussetzungen eine Gebühr erhoben wird.
„Das Bundesverfassungsgericht hat im Januar 2025 grundsätzlich bestätigt, dass eine Kostenbeteiligung bei Hochrisikospielen zulässig ist. Jetzt darf das Saarland diese Möglichkeit nicht durch eine unnötig komplizierte oder rechtlich angreifbare Regelung wieder aufs Spiel setzen. Wir brauchen eine belastbare Regelung, die dem Verursacherprinzip Rechnung trägt“, so der DPolG-Landesvorsitzende.
Die DPolG betont dabei ausdrücklich, dass sich ihre Kritik nicht gegen den Fußballsport oder die große Mehrheit der friedlichen Fans richtet. Problematisch seien vielmehr die wenigen Begegnungen, bei denen aufgrund rivalisierender oder gewaltbereiter Gruppierungen ein außergewöhnlich hoher Polizeiaufwand erforderlich werde.
„Die überwältigende Mehrheit der Fußballfans will einfach ein gutes Spiel sehen, ihre Mannschaft unterstützen und anschließend wieder nach Hause fahren. Genau das wünschen wir uns auch heute. Wir appellieren daher an alle Fans von FCS und Rot-Weiss Essen: Bleibt friedlich, respektiert einander und gebt unseren Kolleginnen und Kollegen keinen zusätzlichen Anlass zum Einschreiten“, sagt Sehn.
Die DPolG Saarland dankt ausdrücklich allen eingesetzten saarländischen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten sowie den Unterstützungskräften aus anderen Bundesländern und der Bundespolizei.
„Unsere Kolleginnen und Kollegen leisten heute und bei zahlreichen weiteren Einsätzen hervorragende Arbeit. Sie verdienen nicht nur unseren Dank, sondern auch die politische Unterstützung, die notwendig ist, damit die Polizei personell und materiell so ausgestattet wird, dass sie solche Einsatzlagen bewältigen kann, ohne dauerhaft an ihre Grenzen zu gehen“, erklärt Markus Sehn abschließend.